Abo  |  Probeabo  |   Login

Über uns

Als wir die Kritische Perspektive 2015 gründeten, stand für uns auch eine persönliche Motivation dahinter: es gab für Leute wie uns keine vernünftige gesellschaftskritische Zeitung. Natürlich gab es einige brauchbare linke Tages- und Wochenzeitungen, die im Gegensatz zum bürgerlichen Mainstream kritisch über Themen wie Hartz IV-Verschärfungen, Flüchtlingsabwehr und Bankenkrise berichteten. Diese Zeitungen lieferten wichtige Informationen und politische Standpunkte; befriedigende Erklärungen, die ein Verständnis dieser Phänomene ermöglicht hätten, lieferten sie aber nicht. Ihre Analysen blieben an der bürgerlichen Oberfläche. Genau wie für den bürgerlichen Mainstream war auch für sie die globale kapitalistische Überproduktion eine bloße „Finanzkrise“, und ebenso wie im bürgerlichen Mainstream war auch bei ihnen die fortbestehende Geschlechterungleichheit in allen Lebensbereichen kein Ausdruck einer kapitalistisch-patriarchalen Produktions- und Reproduktionsweise, sondern eine unerklärlicherweise immer noch fortbestehende statistische Benachteiligung.

Mit diesem Schulbuch-Begriffsinstrumentarium jedoch ist der heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit nicht mehr beizukommen. Hinter den in den vergangenen zehn Jahren um sich greifenden Staatszusammenbrüchen und Bürgerkriegen steht keine verfehlte oder böswillige Politik, sondern was sich heute vor unseren Augen abspielt ist der schleppende Zusammenbruch der kapitalistischen Produktionsweise selbst, die, nachdem sie den gesamten Globus erobert hat, für ihre immer massenhafter produzierten Waren keine AbnehmerInnen mehr findet – jedenfalls keine zahlungskräftigen – und damit langsam zugrunde geht. Eine Gesellschaft, die nicht in die Krise gerät, weil zu wenig, sondern weil zu viel produziert wird. Gegen die globale Überproduktion helfen kein Öko-Kapitalismus und keine öffentlichen Investitionsprogramme; es ist die historische Grenze der kapitalistischen Produktionsweise, die sich im 21. Jahrhundert als ausweglose globale Krise zeigt. Mit dem Kapital, das sich nicht mehr profitabel verwerten kann, geraten auch die Grundlagen des kapitalistischen Patriarchats, der männliche Arbeiter und die bürgerliche Kleinfamilie, in die Krise. Die Folge dieser Krise ist keine gemütliches Antiquierung patriarchaler Herrschaft, sondern genau die grenzenlose Gewalt gegen Frauen, aber auch gegen Schwarze und andere, die wir heute weltweit erleben.

Marx sagte einmal, dass „mit der Einsicht in den Zusammenhang“, „vor dem praktischen Zusammensturz, aller theoretische Glauben in die permanente Notwendigkeit der bestehenden Zustände“ stürze. Wir denken, dass eine der Hauptaufgaben radikaler Gesellschaftskritik heute darin besteht, den Kampf um die Deutungshoheit über unsere Erfahrungen und die gesellschaftliche Realität aufzunehmen. Wir müssen nicht nur zeigen, wie die hergebrachten bürgerlichen Deutungsmuster für die gesellschaftliche Realität versagen – dass also die Krise keine Folge von Spekulation und falscher staatlicher Politik ist – sondern wir müssen zugleich in der Lage sein, diese Realitäten theoretisch anders und besser erklären zu können; nicht, um sie dadurch als vernünftig und notwendig darzustellen, sondern um aufzuzeigen, wie sie aus den Grundlagen der kapitalistisch-patriarchalen Produktions- und Reproduktionsweise entspringen, und nur mit dieser zusammen verschwinden werden. Diese theoretische Erkenntnis ist Voraussetzung für jede emanzipatorische Veränderung heute.

Wie alle radikale Gesellschaftskritik, ist auch diese Zeitung prekär. Die meisten Beteiligten betreiben diese Zeitung in Spät- und Nachtschichten neben allerlei anderen Jobs, daher auch die vielen Pseudonyme hier. Einer der Hauptgründe für die so oft beklagte schlechte Verbreitung von Gesellschaftskritik ist, dass niemand für sie zahlen will, und sie daher auf eine Nischen- und Hobbyexistenz verdammt ist. Falls du die Kritische Perspektive unterstützen willst, schließ bitte ein Online-Abo ab, oder teste die Kritische Perspektive erstmal für vier Wochen mit einem kostenlosen Probeabo. Alle Einnahmen gehen, abgesehen von einigen Fixkosten für die Website, an unsere AutorInnen. Wir danken für jede Unterstützung.

Die Kritische Perspektive abonnieren

Das Online-Abo kostet 5 Euro im Monat, und ist monatlich oder halbjährlich möglich.

Kritische Perspektive 2017 | Kontakt | Impressum | Über uns