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Der Freier

09.09.2016

28.10.17

Wochenperspektive: Feministiche Theoretikerin Silvia Bovenschen gestorben

Silvia Bovenschen, eine der bedeutendsten deutschen feministischen Theoretikerinnen, ist gestorben (Nachruf in der Emma). Pflichtlektüre ist ihr Buch „Die imaginierte Weiblichkeit. Exemplarische Untersuchungen zu kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationen des Weiblichen“ (1979), in dem sie der eben nur scheinbaren Geschlechtsneutralität von Aufklärungsdenken und Kunst nachgeht. „Es kann von einer impliziten und einer expliziten Thematisierung des Geschlechtergegensatzes […]

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Silvia Bovenschen, eine der bedeutendsten deutschen feministischen Theoretikerinnen, ist gestorben (Nachruf in der Emma). Pflichtlektüre ist ihr Buch „Die imaginierte Weiblichkeit. Exemplarische Untersuchungen zu kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationen des Weiblichen“ (1979), in dem sie der eben nur scheinbaren Geschlechtsneutralität von Aufklärungsdenken und Kunst nachgeht.

„Es kann von einer impliziten und einer expliziten Thematisierung des Geschlechtergegensatzes gesprochen werden: implizit insofern als […] die m“männlichen Ausformungen“ den Urteilen, den theoretischen und praktischen Normen und den Denkstrukturen bereits inhärent und also die Begriffswelten gerade dort, wo sie dem Objektivitätsideal am nächsten zu sein scheinen, schon einschlägig präformiert sind (und diese implizite Parteilichkeit muss überall vermutet werden); dagegen handelt es sich bei den expliziten Thematisierungen um ideengeschichtliche Raritäten; sie lassen sich nur bei sehr intensiver Durchsicht der Werksausgaben, zwischen deren Buchdeckeln die erheblichen Entwürfe der deutschen Geistesgeschichte aufbewahrt werden, ausfindig machen. Diese seltsamen Exkurse der Parteilichkeit, die häufig – wie z.B. die Präsentation des Weiblichen in der Philosophie Schopenhauers – den Charakter des Ausfälligen haben, sind von ihren Autoren nämlich in keinen kohärenten Zusammenhang mit den zentralen Kategorien ihrer Theorie gebracht worden, sondern verlaufen meist verdeckt und unbeachtet an der Peripherie ihrer Konzepte. So bleibt es einer aufwändigen Interpretationsanstrengung vorbehalten, das Verhältnis von Explikation und Implikation in diesen Systemen zu untersuchen, etwa die wütenden geschlechtsmetaphysischen Anwürfe, die Schopenhauer gegen die Frauen auftürmte, in den Kontext seiner Philosophie zu rücken, sie in die Landkarte der Ideengeschichte einzutragen.“ (S. 20)

Das ist der Weg der Kritik, dass ist der Weg der zur gesellschaftlichen Erkenntnis und Umwälzung führt. Sie war Adorno-Schülerin und im Weiberrat, der laut ihr übrigens nichts mit der unsäglichen „Busenattacken“-Geschichte zu tun hatte.

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Ein 22-jähriger, der in Nürnberg gegen die Abschiebung eines afghanischen Schülers demonstrierte, wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Fall löste laut dem Labournet-Bericht einiges an Solidarität auch unter den MitschülerInnen aus; es sind solche Konflikte, in denen die Räson des Staats und das Handeln seiner Schergen als offenkundig sinnloses Gewaltverhältnis hervortitt, die das Potenzial für Bewusstwerdung besitzen.

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Verschiedene Banken erwarten eine weitere Abschwächung des Wachstums in China. Zur Erinnerung:

„Es ist kaum ein Geheimnis, dass China – dank seiner Kreditschöpfung von (mindestens) 4 Billionen US-Dollar 2017 (mehr als der Rest der entwickelten Länder zusammengenommen) – der sprichwörtliche (und schuldenfinanzierte) „Wachstums“-Treiber hinter der letzten Periode des „koordinierten globalen Wachstums“ war…

Es ist dann nur folgerichtig, dass eine neue große Entwicklung in China den Umkehrpunkt dieses ökonomischen Minizyklus bedeutet, und den nächsten globalen Niedergang einleiten wird…“

Im Gegensatz zu 2009ff wäre bei einem neuen Einbruch des Kreditsystems alles Pulver der Notenbanken verschossen: die Leitzinse sind bei Null oder darunter, die Grenze der Zusammenbruchsperipherie bereits unmittelbar an Europa herangerückt.

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In Istanbul machen syrische Auftragsmörder Jagd auf geflohene syrische JournalistInnen. Besonders im Visier sind alle, die die Absprachen und militärischen Kooperationen zwischen Assad-Regime und IS recherchiert haben (siehe dazu das exzellente Buch von Christoph Reuter). Dementsprechend ist unklar, ob die Mörder im Auftrag des IS oder Assads handeln (oder beider); eine Aufklärung durch den türkischen Staat ist nicht zu erwarten.

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Quote der Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind, erreicht neuen Höchststand.

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Weiterhin diese Woche:

Die Wahl zum österreichischen Nationalrat

Zwei Dinge hat die Wahlauseinandersetzung quasi überraschend gezeitigt. Das war zum einen der vorgeblich in dieser Schmutzigkeit noch nie dagewesene Wahlkampf, zum anderen das Ausscheiden der Partei der Grünen aus dem Nationalrat. Beides war wohl der Verweigerung, politische Inhalte zur Diskussion zu stellen, geschuldet; unabhängig von der Frage, ob die angetretenen Parteien überhaupt inhaltlich differente Positionen besetzten.

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