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Der Freier

09.09.2016

25.08.17

Antisemitismus im weißen Haus und auf der Straße

Das chauvinistische Ticket kommt ohne Antisemitismus nicht aus

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Es gibt einen dezidiert linken Antisemitismus und es gibt einen Antisemitismus, der gerade in antirassistischen Strömungen grassiert. Aber ebenso gibt es einen Antisemitismus, der überall dort grassiert, wo Chauvinismus, Rassismus und Antifeminismus gezielt eingesetzt werden, um den kleinen Mann in Bewegung zu setzen; sei es zur Wahlurne, sei es zur Agitationsversammlung.

Trumps Wahlkampfparolen, den „Sumpf in Washington trocken zu legen“ das Versprechen, die Wallstreet zu entmachten und gegen die Political Correctness-Heuchelei vorzugehen: es ist dasselbe ideologische Geflecht, dasselbe Ticket, zu dem auch der Antisemitismus gehört. Es ist der Hass auf’s Abstrakte, Unverstandene, gegen das, was durch umständliche Argumente gerechtfertigt werden muss, der diese Ressentiments nährt. Rechte Bewegungen, die ihren Anhängern eine Veränderung verkaufen wollen, während sie gezielt alles beim Alten lassen, kommen ohne diese Ressentiments nicht aus; und noch Bernie Sander’s linker Billigsozialismus versuchte mit Phraserei über „Wall Street“ und „wenn ich Banker wäre, würde ich nicht Bernie Sanders wählen“, darüber hinwegzutäuschen, dass er dem realen Kapital nicht zuleibe rücken wollte. Was nicht wundert, beinhaltet doch das von ihm angestrebte Amt das direkte Gegenteil.

Wenn aber der Inhalt kein anderer ist als das mobilisierte Ressentiment, lässt sich auch der Antisemitismus nicht verstecken, wie die NY Times schon zum Wahlkampf 2016 feststellte, wo sich die Angriffe vor allem gegen Journalisten richtete:

Antisemitismus befindet sich in Europa seit Jahren im Aufwärtstrend. Aber in den Vereinigten Staaten hat er mit der Trump-Wahlkampagne neue Dimensionen angenommen: die von ihr ausgelobte Schlacht gegen die „Political Correctness“ hat ein Einfallstor für alle Ideologen geschaffen, über die sie nun im politischen Mainstream gelandet sind.

[Die Organisation Anti-Defamation-League] fand in ihrer Untersuchung heraus, dass zwischen August 2015 und Juli 2016 2,6 Millionen antisemitische Kommentare auf Twitter gepostet wurden. Davon waren 19.253 gegen Journalisten gerichtet.

Anfang des Jahres gab es einen signifikanten Anstieg, zur gleichen Zeit als die Präsendentschaftskampagne ins Rollen kam […] Die Wörter, die in den Twitter-Biographien der Hassschreiber am öftesten vorkamen, waren „Trump“, „nationalistisch“, „konservativ“ und „weiß“. Viele der 1.600 Twitter-Accounts waren anonym, obwohl wenigstens zwei von bekannten weißen Suprematisten waren: Andrew Anglin, Gründer der Website The Daily Stormer, und Lee Rogers, von Infostormer.“

Trump und seine Klientel machen das „Make America great again“ in jeder Hinsicht wahr. Wo dieser sich anschickt, die US-amerikanischen Hegemonialansprüche und den unbedingten Konkurrenzvorteil auf dem Weltmarkt gegenüber allen anderen Staaten durchzusetzen, sorgt die militante, weiße, vorwiegend männliche Mittelschicht im Inneren mit zunehmend mörderischen Folgen dafür, dass nur Amerika den Amerikanern (sprich: ihnen) “gehört” und alles dem Interesse der in ihnen verköperten Nation sich unterzuordnen hat. Kritische Journalisten passen in ein solches Weltbild ebensowenig wie Juden.

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