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Der Freier

09.09.2016

04.03.16  | Nachrichten

An der Exportfront nichts neues

Der Auftragseingang für die deutschen Maschinenbau-Kapitalisten ist im Januar (nicht ganz überraschend) stark zurückgegangen und zeugt damit von der alten Weisheit, dass jeder Kauf auch ein Verkauf, und jede nicht gekaufte Maschine in Fernost eine nicht-verkaufte im Wirtschaftswunderland ist.

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Wir hatten eine Weile schon keine Wirtschaftszahlen mehr zur Krise in Deutschland gedruckt. Mit Zahlen, bürgerlicher Statistik noch dazu, ist es so eine Sache. Vorletzte Woche hieß es noch:

„Die deutschen Maschinenbauer haben dank der starken Nachfrage aus den USA und der EU im vergangenen Jahr einen Exportrekord aufgestellt. Zugleich bekam die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie die Abkühlung des chinesischen Markts zu spüren. Insgesamt verkauften die Unternehmen Maschinen und Anlagen im Ausland für mehr als 155 Milliarden Euro und übertrafen damit die Bestmarke des Vorjahres um 2,6 Prozent, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Nach Abzug der Preissteigerungen (real) blieb ein Plus von 0,9 Prozent.“ (Handelsblatt, 23.2.2016)

Und es ließen sich dutzende Indikatoren anführen, die ähnliches oder gemischtes – positives und negatives – verlautbarten.

Diesen Zahlen nachzuhecheln bleibt jedoch müßig. Eine Krisentheorie braucht einen langen Atem, die Einsicht, dass die vorhandene Überproduktion und Überakkumulation nur durch eine massive Schrumpfung, einen großen Krach lösbar ist – mit ungewissem Ausblick, ob danach eine neue Wachstumsperiode kommen kann –, eine solche Einsicht braucht sich nicht von den monatlich wechselnden Zahlen beirren zu lassen. Dass in der globalen Krisendynamik, die seit spätestens einem Jahr wieder manifest ist, einzelne Inseln und Ruhepausen entstehen, widerlegt nicht die Krisentheorie, sondern verweist auf verschiedene – und benennbare – Kompensationsmechanismen, die den Dammbruch noch verhindern.

Und in diese Richtung geht es nun auch in Deutschland weiter – in der letzten Woch meldete sich erneut Herr Wiechers (VDMA) von der Exportfront:

„Im Januar verfehlte der Auftragseingang im Maschinenbau sein Vorjahresniveau um real 12 Prozent. Dabei gerieten sowohl die Nachfrage aus dem Inland als auch die Auslandsorders unter Druck. Im Inland wurden 8 Prozent weniger Bestellungen verbucht, aus dem Ausland kamen insgesamt 14 Prozent weniger Aufträge. Die Auftragseingänge aus den Euro-Partnerländern büßten dabei fast ein Drittel ein, während der Rückgang aus den Nicht-Euro-Ländern lediglich 5 Prozent betrug. „Auch wenn dieses Minus überzeichnet ist durch ein ungewöhnlich hohes Bestellvolumen im Vorjahresmonat – das ist sicherlich ein unbefriedigender Jahresauftakt“, erläuterte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.“ (vdma.org, 2.3.2016)

Jeder Verkauf ist auch ein Kauf

In den Zeitungen wird das später als „Ausweitung der Krise auf die deutsche Wirtschaft“ bezeichnet werden. Krankheitsmetaphern („Ansteckungsgefahr für die deutsche Wirtschaft“), Naturkatastrophenvergleiche („Im Sog der Krise“, „Die Wirtschaft am Abgrund“), auf jeden Fall kommt sie von außen („Die Krise rollt auf uns zu“). Irgendjemand, irgendwo, muss doch einen Fehler gemacht haben, und dieser Fehler muss sich nun auf die eigentlich artig vor sich hin funktionierende deutsche Wirtschaft auswirken. Noch hat man wenigstens den Dreh nicht gefunden, den Flüchtlingen den Auftragseinbruch in Fernost anzuhängen.

In Wirklichkeit ist nichts anderes passiert, als dass das globale Kapital, das deutsche eingeschlossen, mehr produziert hat, als es verkaufen kann. Da aber Kauf und Verkauf untrennbar miteinander in Verbindung stehen, kann das nur eine Weile gut gehen. Der anstehenden Krise wird auch das deutsche Kapital nicht entgehen können und mit ihm das Proletariat, was es auf die Straße werfen wird. Die richtige Antwort auf die Überproduktion wäre die Aneignung der überproduzierten Waren, Produktions- wie Lebensmittel, ebenso wie der Produktionsmittel, die diese produzieren.

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