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Der Freier

09.09.2016

29.01.16  | Kritik

Die Stimmen der Sexarbeiterinnen

Eine Pro-„Sexarbeits“-Initiative hat eine Umfrage unter Sexarbeiterinnen gemacht, die belegen soll, dass die Verschärfung des Prostitutionsschutzgesetzes nicht im Interesse der Prostituierten sei. Diese Umfrage ist nicht nur deshalb interessant, weil sie keineswegs so repräsentativ ist, wie behauptet wird und sich daran die Unredlichkeit, mit der diese Lobby vorgeht, beispielhaft aufzeigen lässt. Schaut man sich die Antworten der befragten Frauen genauer an, zeichnen sie ein Bild von der Realität der „Sexarbeit“ in Deutschland, das den FragerInnen kaum gefallen dürfte – und gerade die Notwendigkeit eines Sexkaufverbots nach schwedischem Modell nahelegt. Zugleich lässt sich an der Studie beispielhaft zeigen, wie schon die Methode solcher Umfragen eine Verschleierung der Wirklichkeit impliziert.

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Wo die Initiative „Voice4Sexworkers“ steht, darüber lässt sie auf ihrer Homepage keinen Zweifel: neben Freierberichten („mein erstes Mal mit einer Prostituierten“’) und der Verteidigung von Flatrate-Bordellen schreibt man gehässige Diskreditierungen gegen Prostitutionsaussteigerinnen wie Rachel Moran – also ausgerechnet gegen die Frauen, die die Kraft und den Mut gehabt haben, ihre Erfahrungen aufzuschreiben, in die Öffentlichkeit zu gehen und für das Verbot des Sexkaufs einzutreten. Angesichts dessen, dass man es zugleich als „Strategie“ der „Prostitutionsgegner“ darstellt, „Sexarbeiterinnen als ernstzunehmende Subjekte auf gleicher Augenhöhe“ zu disqualifizieren, ist das schon eine ziemliche Frechheit. Doch dazu später.

Bei der Ankündigung der unter dem Titel „Prostitution – eine Momentaufnahme“ veröffentlichten Umfrageergebnisse sparen „Voice4Sexworkers“ nicht mit großen Worten. Man möchte wissen „wie die aktuelle Situation für SexarbeiterInnen in Deutschland wirklich ausschaut“, „denn es kursieren ja einige Schätzungen und angebliche Fakten, für die weder seriöse Quellen vorhanden sind, noch nachvollziehbare Beweise existieren“. Hierbei bietet die Initiative ihre Expertise gern an:

„Für Außenstehende ist es auch recht schwierig den Kontakt und letztendlich das Vertrauen zu SexarbeiterInnen herzustellen, erst recht, wenn es darum geht, nicht nur ein oder zwei, sondern eine Vielzahl von ihnen zu befragen.“

Zum Glück kann man in solchen Fällen auf Initiativen wie „Voice4Sexworkers“ zurückgreifen:

„Deswegen haben wir vor einigen Tagen eine Umfrage unter SexarbeiterInnen gestartet, die bis gestern, dem 16.12.2015, anonym beantwortet werden konnte. Hierbei haben wir natürlich – im Gegensatz zu Politikern, Wissenschaft und Medien – von einem guten und großen Netzwerk profitiert, zu dem nachweislich ausschließlich SexarbeiterInnen selbst Zugang haben. Unter anderem haben wir viele TeilnehmerInnen für unsere Umfrage auf einem Internetportal gefunden, wo SexarbeiterInnen ihre Dienstleistungen bewerben können.“

Die Ergebnisse werden daher als „absolut authentisch“ angepriesen, eine „eine etwaige Manipulation oder Verfälschung der Daten durch Nicht-Sexarbeiterinnen“ wird ausgeschlossen, so dass endlich ein „ungefiltert[er] Einblick in die Welt und Lebenswirklichkeiten von Sexarbeiterinnen“ gegeben werden könne.

Schon diese eigenartigen und der Sache nach unnötigen Werbebotschaften zeigen, dass hier offensichtlich nicht nur Realität dargestellt, sondern auch Politik gemacht werden soll, aber auch dazu später.

Dass es offenkundig doch genug Umfragen zu dem Thema gibt, gesteht man zwar ein (für ganz so blöd kann man die LeserInnen doch nicht verkaufen). Aber, ohne eine einzige davon näher zu besehen, ist man schnell mit einem Urteil zur Hand:

„Im Gegensatz zu vorhandenen und viel zitierten Studien, in denen nur bestimmte Gruppen befragt wurden, wie z.b. DrogenkonsumentInnen in der Beschaffungsprostitution („Drogenstrich“) oder Opfer von Menschenhandel, haben wir Menschen quer durch die existierenden Arbeitsbereiche innerhalb der sexuellen Dienstleistungen befragt, egal ob sie auf der Straße, im Bordell oder als Escort arbeiten. In unsere Umfrage flossen alle Meinungen bzw. Erfahrungen dieser Menschen mit ein.“

Soweit so gut, sieht man mal davon ab, dass doch die „Lebenswirklichkeiten“ von Frauen auf dem Drogenstrich oder Zwangsprostituierten vielleicht auch einberechnet werden sollten, wenn man über die Realität der Prostitution in Deutschland und darauf bezogene Gesetzesinitiativen spricht. Aber auch das erstmal geschenkt, denn wir sind an „Stimmungsbildern“ und „Momentaufnahmen“ ja tatsächlich interessiert. Genug also der Vorrede – hic rhodos hic salta, welchen Einblick und welche Momentaufnahme können uns „Voice4Sexworkers“ geben, den vor ihnen noch niemand zu beschaffen in der Lage war?

69 von 400.000

Nun, hier kommt die erste, angesichts der großen Ankündigung etwas überraschende Enttäuschung. Insgesamt haben 69 Frauen auf den Fragebogen von „Voice4Sexworkers“ geantwortet. Bedenkt man, dass z.B. in der z.T. ehrenamtlich betriebenen Stuttgarter Hilfs- und Ausstiegsstelle La Strada jeden Abend bis zu 50 Frauen Hilfe und ärztliche Beratung suchen, ist das „Netzwerk“ der sich als PolitikberaterInnen anbietenden „Voice4Sexworkers“ offenkundig nicht allzu groß. Zwar gehen die Schätzungen zur Zahl der prostituierten Frauen in Deutschland weit auseinander, aber gehen wir von der gebräuchlichsten Schätzung von 400.00 aus, so ist die Repräsentanz des groß angekündigten „Stimmungsbildes“ und der „authentischen“ „Momentaufnahme“ schon arg zu bezweifeln.

Aber auch eine kleine Zahl kann ja repräsentativ sein. Die Gruppe von den „Voice4Sexworkers“ über ihr „Netzwerk“ und ein Online-Portal befragten Prostituierten ist es aber nicht, wie schon die Angaben zur Frage „Welche Form der Sexarbeit übst du aus?“ belegen (Mehrfachnennungen möglich): 61 % der befragten Frauen machen Escort/Hausbesuche; 28 % Domina etc., 45 % Wohnung (allein) bzw. 36 % Wohnung (mit Kolleginnen). Praktisch gar nicht vertreten in der Umfrage sind die eigentlich typischsten und – wir haben keine Zahlen, aber wir nehmen das an – mit am verbreitetsten Formen der „Sexarbeit“: Straßenprostitution (gerade mal 6 %), Bordell/Laufhaus (12 %) und Club (6 %) sind offenkundig stark unterrepräsentiert im „Netzwerk“ der „Voice4Sexworkers“.

Das alles wäre kein Problem, und es entwertet auch keinesfalls die Antworten der Frauen, vielmehr macht es sie gerade interessant, weil sie einem eingrenzbaren Bereich zugeordnet werden können. Zum Problem und unredlich wird es erst, wenn solche Umfragen als repräsentativ dargestellt werden und dazu dienen sollen, sich selbst als „ExpertInnen“ für Politik und ZeitungsschreiberInnen zu positionieren, wie es die „Voice4Sexworkers“ tun:

„Hier wurde bewusst keine Gruppe ausgenommen oder etwa bevorzugt, denn alles andere würde eben nur die Situation in bestimmten Gruppen zeigen und nicht wie sich die einzelnen Faktoren und Umstände innerhalb aller Sexdienstleister verteilen.“

Einen weiteren Einblick in die Zusammensetzung der befragten Gruppe liefern die Antworten auf die Frage „Hast du von dem geplanten ProstituiertenSchutzGesetz gehört?“, auf die knapp 40 % mit „Ja, und ich habe es schonmal durchgelesen“ und 37 % „Ja und ich weiß genau was drin steht“ antworteten. (Fast überall waren Mehrfachnennungen möglich, weshalb alle Ergebnisse schwer zu lesen sind.) Es ist anzunehmen, dass dieser Bewusstseinsstand keineswegs repräsentativ ist, angesichts dessen, dass (wieder gibt es verschiedene Schätzungen) ca. 80 % der in Deutschland prostituierten Frauen aus dem Ausland kommen und ihre Zeit kaum mit der Lektüre deutscher Gesetzestexte verbringen dürften.

„Deine Erfahrungen mit Vermietern/Betreibern“

Aber auch das entwertet die Antworten der befragten Frauen hier nicht, sondern nur das, was mit ihnen gemacht werden soll. Aber selbst ihre Antworten geben bei genauerem Hinsehen ein komplett anderes Bild, als es den „Voice4Sexworkers“ in den Kram passen dürfte. Frage: „Deine Erfahrungen mit Vermietern/Betreibern.“ (Sprich: BordellbesitzerInnen und Modelwohnungs-VermieterInnen.) – Antworten (von den 69 Frauen antworteten hier 49): 23 % „nur gute“ Erfahrungen; 4 % „nur schlechte“; 66 % „gute und schlechte“ – und 8 %: „Meine Erfahrungen sind so schlecht, dass ich in dem Bereich nicht mehr arbeite.“ Rechnet man ein, dass es sich bei den Befragten um eine extrem privilegierte Untergruppe der deutschen Prostituierten handelt – offenkundig deutsche Frauen, die vor allem in Escort und Hausbesuche arbeiten – sind die 8 % schon eine krasse Zahl. Wenn selbst von diesen Frauen 8 % nicht mehr in Bordellen arbeiten, weil sie „so schlechte“ Erfahrungen gemacht hatten, wirft das einen „ungefilterten Einblick in die Welt […] von Sexarbeiterinnen“, der den VerteidigerInnen der Flatrate-Prostitution kaum gefallen dürfte.

Weiter. Frage: „Deine Erfahrungen mit Freiern/Kunden.“ – Antworten: 21 % nur gute, 0 % nur schlechte, 67 % „sowohl nette als auch schlechte Kunden“. So weit, so unklar. Die weiteren Antwortmöglichkeiten aber: „Ich habe oft Gewalterfahrungen gemacht“ – 0 %. „Selten Gewalterfahrungen“ – 30 % (!) „Kunden halten sich im Allgemeinen an meine Vorgaben“ – 80 % (20 % also nicht!). „Kunden brechen oft die ausgemachten Regeln“ – 5 %. Aufgrund der Anlage des Fragebogens ist es schwer, die Aussagen gegeneinander abzugrenzen, aber 20 %, die nicht ankreuzen können, dass sich die Kunden „im Allgemeinen“ an ihre Vorgaben halten und 30 %, die immerhin „selten“ Opfer von Gewalt wurden (es wird leider nicht erzählt, ob es auch die Antwortmöglichkeit „gar nicht“ gab) – wohlgemerkt alles unter deutschen, vorwiegend im Escort/Hausbesuch arbeitenden Frauen – sind Zahlen, die eine ganz andere Sprache sprechen als es den VeteidigerInnen der weiteren Deregulierung der Prostitution genehm ist.

Ebenso die Aussagen zum ProstituiertenSchutzGesetz. Zwar fanden 30 % die Kondompflicht „nicht gut“, aber andere 30 % wiederum fanden die Kondompflicht „gut“. Auch hier müssen offensichtlich dringend mehr „Aufklärungsbroschüren“ gedruckt werden, um den Sexarbeiterinnen die Freiheiten und Vorzüge ihres Berufs zu erklären.

„Was denkst du über das ProstituiertenSchutzGesetz“

Es ist wohl kaum erstaunlich, dass schlussendlich 72 % „gegen dieses Gesetz“ sind. Aber auch hier ist wieder interessanter, was nicht drin vorkommt: zwar hatten 7% sich noch „keine Gedanken“ gemacht und nur 1 % fand es „gut“, aber es verbleiben immer noch andere rund 20 % – selbst aus dem „Netzwerk“ der „Voice4Sexworkers“ –, die offensichtlich nicht ankreuzen konnten, dass sie „gegen dieses Gesetz“ seien.

Aber wenn man hierüber nachdenkt, endet tatsächlich die Aussagekraft solcher braven Befragungen und zeigt, wie sie schon methodisch gar nicht in der Lage sind, ein Bild der tatsächlichen Realität zu geben.

Es ist doch recht klar. Wenn man einer Prostituierten auf dem Straßenstrich ein Mikrofon unter die Nase hält und sie fragt, was sie davon hielte, wenn der deutsche Staat morgen die Prostitution verböte – welche Antwort dürfte man erwarten? Jede Abweichung von 100% sollte hier stark zu denken geben. Es ist hier aber gerade in die Realität der Prostitution einzurechnen, dass alle Aussteigerinnen in einem Punkt immer wieder dieselbe Geschichte erzählen: wie sie sich über Jahre selbst belogen haben und sich einredeten, dass es ihnen nicht schaden würde und sie davon profitierten. Niemand hat das u.E. so gut auf den Punkt gebracht wie Kajsa Ekis Ekman in ihrem Buch „Being and being bought“, wenn sie aus ihrer materialistischen Analyse den Schluss zieht (siehe auch unsere Buchbesprechung in Ausgabe 30/2015):

„Aber auch sie“ – die Prostituierte – „lebt in einem falschen Bewusstsein, im Glauben, dass es möglich wäre sich selbst zu verkaufen und zugleich zu schützen; ihm”  – dem Freier – „zu geben was er will, und zugleich intakt zu bleiben.“ (S. 112, unsere Übersetzung)

Alle vorhandenen Erhebungen belegen, dass nicht wenige der Frauen, die aus der Prostitution aussteigen, ein Leben lang mit posttraumatischen Belastungsstörungen kämpfen – Symptome von Depression und Angstzuständen, wie sie Folteropfer und Kriegsflüchtlinge aufweisen.

All das aber ist in solchen „Umfragen“ überhaupt nicht darstellbar, und daher sind sie selbst, ihrer ganzen Anlage nach, eine Verschleierung der Realität. Dass aber selbst unter der befragten privilegierten Gruppe 20 % sich nicht gegen die Verschärfung des Prostutionsschutzgesetzes aussprechen konnten, dass von ihnen 30 % immerhin „selten“ Gewalterfahrungen machten – das belegt schlussendlich das Gegenteil von dem, was mit dieser Studie offenkundig bezweckt werden sollte. Ein Glück, möchte man sagen, dass die befragten Frauen ja nicht repräsentativ sind.

Die Realität der Prostitution

Wer einen tatsächlichen Einblick in die Lebensrealität von „Sexarbeiterinnen“ haben möchte, lese z.B. das von der Emma-Redaktion herausgegebene „Prostitution. Ein deutscher Skandal“ oder Kajsa Ekis Ekmans bereits erwähntes „Being and being bought“ oder die Geschichte von der (von “Voice4Sexworkers” als Lügnerin denunzierten) irischen Prostitutionsüberlebenden Rachel Moran, „Was vom Menschen übrig bleibt“. Wohlgemerkt haben sich diese Frauen und Männer nicht hingestellt als die „Stimmen“ und SprecherInnen der Frauen, deren Geschichten sie erzählen. Sie haben den Anspruch, ein Stück Realität darzustellen – aber nicht, für diese Frauen zu sprechen oder ihnen die Zustimmung zu irgendwelchen Positionen zu entlocken.

Man kann diese Arbeiten nicht hoch genug einschätzen, und sie sind etwas völlig anderes als das, was die „Voice4Sexworkers“ hier betreiben. Denn, wie sie selbst eingangs schrieben, ist es „recht schwierig den Kontakt und letztendlich das Vertrauen zu SexarbeiterInnen herzustellen“. Aber die Frauen und Männer, die die jene Berichte schrieben, haben keine Umfrage ins Internet gestellt oder in ihrem „Netzwerk“ verbreitet, sondern sind auf den Straßenstrich in die Tschechische Republik gefahren. Sie haben die Hilfs- und Ausstiegsstellen besucht. Sie haben sich verdeckt in die Großbordelle eingeschmuggelt.

Tatsächlich sagt schon der Name, den sich die Pro-„Sexarbeits“-Initiative gegeben hatte, „Voice4Sexworkers“, worum es ihnen geht. Sie sagen selbst die Wahrheit über sich. Denn während man – wie eingangs erwähnt – bereit ist, ehemalige Prostituierte, die sich nunmal nicht selten gegen „Sexarbeit“ aussprechen, mit den miesesten Verleumdungen zu denunzieren, möchte man sich selbst als „Stimme“, und zwar „für“ die „SexarbeiterInnen“ darstellen. Erst fährt man ihnen über’s Maul, wirft sie der patriarchalen Mehrheitsgesellschaft zum Fraß vor – um sich dann als ihre SprecherInnen zu positionieren!

Das Gegenteil von „Voice4Sexworkers“ ist nicht die paternalistische Bevormundung. Das Gegenteil von „Voice4Sexworkers“ lautet: Prostitutionsaussteigerinnen erzählen.

„Kaum wissenschaftliche Glaubwürdigkeit“

Tatsächlich – und das ist ein Punkt, der uns den Glauben an eine bessere Welt zurückgewinnen lässt – sind die befragten deutschen Escortfrauen schlauer als ihre sozialwissenschaftlichen oder auf Pseudo-Sozialwissenschaft machenden FreundInnen. In den Fragebögen war Platz für eigene Kommentare und Anmerkungen, und hier müssen sich die selbsternannten „Stimmen“ von den Escortfrauen über die Realität der „Sexarbeit“ aufklären lassen. Eine erste Befragte schreibt:

„Schade, dass die Umfrage nur in Deutsch ist. Damit wird sie kaum wissenschaftliche Glaubwürdigkeit bekommen…“

Und eine andere:

„Es wäre super, wenn es diese Umfrage auch in Übersetzung auf andere Sprachen gäbe! In Deutschland arbeiten so viele Migrantinnen in der Sexarbeit, deren Erfahrungen wären auch sehr wichtig!“

Ebenso eine weitere, die u.a. schreibt:

„Da ich im Tantrabereich arbeite, fällt es mir immer wieder schwer, das überhaupt als Sexarbeit zu betrachten. Die Arbeitsbedingungen beim echten Tantra sind sehr unterschiedlich zu dem, was ich von SexarbeiterInnen mitbekomme.
Ich sehe mich da zwischen allen Stühlen sitzend. Sehr unbehaglich.“

Und auch in diesem Statement klingt an, dass ausländische „Kolleginnen“ offensichtlich eine andere Situation haben:

„Ich wünsche mir viel mehr Beratung, v.a. Einstiegsberatung für neue Kolleginnen,vorrangig ausländische.“

Die Aufrichtigkeit der „Voice4Sexworkers“, diese Kritik an ihrer Umfrage, ja an ihrer Position allgemein – und wenn man darüber nachdenkt, ist es eine vernichtende Kritik – wiederzugeben, möchten wir tatsächlich positiv anerkennen, sie zeugt von einem Rest von Anstand.

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